Risikoabschätzung (Gefährdungsanalyse) gemäß Trinkwasserverordnung: Alles, was Sie wissen müssen
Risikoabschätzung (Gefährdungsanalyse) gemäß Trinkwasserverordnung: Alles, was Sie wissen müssen
Die Risikoabschätzung, auch bekannt als Gefährdungsanalyse, ist eine essenzielle Maßnahme zur Sicherstellung der Trinkwasserhygiene in Gebäuden. Sie dient der Identifizierung von Gesundheitsrisiken durch Legionellen und anderen mikrobiellen Kontaminationen in Trinkwasser-Installationen. Laut der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) und den allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.), ist die Durchführung einer Risikoabschätzung in bestimmten Fällen gesetzlich vorgeschrieben.
Was ist eine Risikoabschätzung?
Eine Risikoabschätzung ist eine umfassende Bestandsaufnahme und Analyse der Trinkwasserinstallation, um potenzielle Gefährdungen zu identifizieren. Sie wird notwendig, wenn bei einer Untersuchung der technische Maßnahmenwert für Legionellen (100 KBE/100 ml) erreicht wird. Das Ziel ist es, bestehende oder potenzielle Mängel in der Anlage zu erkennen und Maßnahmen zur Minimierung von Gesundheitsrisiken vorzuschlagen.
Gesetzliche Grundlagen
Die Durchführung einer Risikoabschätzung basiert auf den Anforderungen der Trinkwasserverordnung, insbesondere:
- § 16 TrinkwV: Verpflichtet Betreiber, bei Legionellenbefall eine Risikoabschätzung durchzuführen und dem Gesundheitsamt unverzüglich Maßnahmen zur Gefahrenabwehr vorzulegen.
- DVGW Arbeitsblatt W 551: Technische Regelwerke, die festlegen, wie Legionellenbekämpfungen in der Trinkwasserinstallation durchzuführen sind.
Zusätzlich legt die VDI-Richtlinie 6023 die hygienischen Anforderungen an die Planung, den Bau, die Nutzung und die Wartung von Trinkwasserinstallationen fest. Diese Regelwerke sind maßgeblich für die Erstellung einer ordnungsgemäßen Risikoabschätzung.
Wofür ist die Risikoabschätzung wichtig?
Eine korrekt durchgeführte Risikoabschätzung bietet folgende Vorteile:
- Früherkennung von Hygienemängeln: Die systematische Überprüfung der Anlage hilft, potenzielle Mängel wie Temperaturabweichungen, Stagnation des Wassers oder ungeeignete Werkstoffe zu identifizieren.
- Gesundheitsschutz: Legionellen können durch das Einatmen von kontaminierten Aerosolen schwere Lungenentzündungen (Legionellose) verursachen. Eine Risikoabschätzung hilft, diese Gefahren frühzeitig zu minimieren.
- Rechtssicherheit: Betreiber von Trinkwasseranlagen sind gesetzlich verpflichtet, hygienische Standards einzuhalten. Eine Gefährdungsanalyse dokumentiert die Einhaltung der rechtlichen Anforderungen und schützt vor Haftungsrisiken.
Ablauf einer Risikoabschätzung
Der Ablauf der Risikoabschätzung folgt klaren Schritten:
- Ortsbesichtigung: Eine Vor-Ort-Begehung durch qualifizierte Fachleute (z.B. Sachkundige gemäß VDI 6023). Dabei werden alle relevanten Teile der Trinkwasserinstallation in Augenschein genommen.
- Dokumentation der Anlagentechnik: Überprüfung und Dokumentation der Planungs- und Betriebsunterlagen der Trinkwasserinstallation.
- Messungen und Beprobungen: Temperaturmessungen an relevanten Stellen der Anlage sowie die Festlegung von Probenahmestellen für weitergehende Legionellenuntersuchungen gemäß DVGW W 551.
- Identifikation von Mängeln: Auf Basis der Ortsbesichtigung und der Laborergebnisse werden planerische, bauliche oder betriebliche Mängel identifiziert.
- Erstellung eines Maßnahmenplans: Basierend auf der Analyse werden konkrete Sofortmaßnahmen (z.B. thermische Desinfektion oder Spülungen) sowie mittel- und langfristige Maßnahmen (z.B. hydraulischer Abgleich) vorgeschlagen, um die hygienische Sicherheit der Anlage wiederherzustellen.
Welche Mängel werden häufig festgestellt?
Typische Mängel, die im Rahmen einer Risikoabschätzung identifiziert werden, sind:
- Temperaturabweichungen: Warmwassertemperaturen unter 50°C begünstigen das Wachstum von Legionellen.
- Stagnation: In selten genutzten Leitungsabschnitten kann es zur Wasserstagnation kommen, was das Risiko einer Legionellenkontamination erhöht.
- Fehlende Rückflussverhinderer: Diese können zur Verunreinigung des Trinkwassers führen.
- Überdimensionierung des Systems: Überdimensionierte Rohrnetze können die Verweildauer des Wassers im System verlängern und so das Risiko von Biofilmen erhöhen.
Sofortmaßnahmen und Sanierung
Sobald eine Überschreitung des technischen Maßnahmenwerts festgestellt wird, sind Sofortmaßnahmen einzuleiten. Dazu zählen:
- Thermische Desinfektion: Kurzfristige Erhitzung des Warmwassers auf über 70°C zur Abtötung von Legionellen.
- Chemische Desinfektion: Der Einsatz von Desinfektionsmitteln kann temporär eingesetzt werden, um die Vermehrung von Legionellen zu verhindern.
- Spülungen: Regelmäßige Spülungen von selten genutzten Entnahmestellen.
Langfristig ist es notwendig, bauliche und betriebliche Mängel zu beheben, um ein erneutes Auftreten von Kontaminationen zu verhindern.
Dokumentation und Kommunikation
Die Ergebnisse der Risikoabschätzung müssen schriftlich dokumentiert und den zuständigen Gesundheitsämtern vorgelegt werden. Zudem sind die Nutzer der Anlage, z.B. Mieter oder Betreiber von öffentlichen Einrichtungen, über die Risikoabschätzung und mögliche Einschränkungen in der Nutzung des Trinkwassers zu informieren.
Wer darf eine Risikoabschätzung durchführen?
Eine Risikoabschätzung darf nur von qualifizierten und zertifizierten Fachleuten durchgeführt werden. Es ist daher wichtig einen qualifizierten Sachverständigen einzuschalten.
Die Einhaltung der allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) und die Unabhängigkeit des Sachverständigen sind entscheidend für die Qualität und Rechtsgültigkeit der Risikoabschätzung.
Fazit: Rechtssicherheit und Gesundheitsschutz durch eine Risikoabschätzung
Eine ordnungsgemäße Risikoabschätzung schützt nicht nur vor gesundheitlichen Risiken durch Legionellen, sondern bietet auch rechtliche Absicherung für Betreiber von Trinkwasseranlagen. Durch die systematische Analyse und die Ableitung von Maßnahmen wird die langfristige Betriebssicherheit und Hygiene Ihrer Anlage gewährleistet. Vermeiden Sie hohe Bußgelder und gesundheitliche Risiken – sorgen Sie für eine rechtssichere und hygienisch einwandfreie Trinkwasserinstallation!